Zwirnerei Stampf, Wernetshausen
Die Zwirnerei Stampf ist die älteste Fabrik in Hinwil. Zuerst war es eine Eisendreherei, kurzzeitig eine Sägerei, danach eine mechanische Weberei und schliesslich ab 1869 bis 1971 (knapp hundert Jahre) eine Zwirnerei. Ab 1985 wird im Stampf eine kleine Landwirtschaft betrieben..
Chronologie
1817 Johannes Stuki ersucht um die Bewilligung zum Errichten eines Wasserrades «für seine bisher von manchen Händen mühesam betriebene Baumwollen–Spinnerey in Wernetzhausen, Gemeinde Hinweil ein Wasserrad errichten zu dörffen, in einer Gegend und Gemeinde allwo gegenwärtig noch keine Fabriken, wohl aber sehr viele dürftige, verdienstlose Menschen sich vorfinden, die mit grossem Verlangen auf etwas Verdienst warten». [1]
1832 Im Dezember zerstört ein Brand das Spinnereigebäude, welches schon Jahre zuvor in den Besitz von Heinrich Stuki übergegangen ist. Er macht sich gleich an den Neuaufbau; es entsteht ein Wohnhaus mit Werkstätte für den Betrieb einer mechanischen Dreherei.[1]
1842 Heinrich Stuki beantragt die Wasserkraft zukünftig für den Betrieb einer Sägerei nutzen zu dürfen, was ihm zugestanden wird.[1]
1844 bis 1857 In diesen Jahren kommt es zu drei Handänderungen. Erst an Rudolf Egli, dann zu Herrn Billeter aus Männedorf und letztlich an Johannes Stuki.[1]
1862 Die neuen Besitzer, Gebrüder Heinrich und Albert Walder ersuchen um die Bewilligung «die Leistungsfähigkeit mittels Wassersammler für den Betrieb einer mechanischen Weberei weiter zu erhöhen».[1]
1864 Der Bau eines 650 Kubikmeter fassenden Wasserspeichers beginnt; der Stampfweiher unmittelbar neben der Bachtelstrasse wird gebaut.[1]
1866 Aus Gründen der Kraftvermehrung und Wasserbewirtschaftung entscheiden sich die Gebrüder Walder, einen zweiten Weiher im Moos zu erstellen. Dieser hat ein Fassungsvermögen vom 3800 Kubikmeter und wird von der Moos- und Klinklibrunnen-Quelle gespiesen. Dazu erhalten sie das Recht zugesprochen.[1]
1869 Neben der Wasserkraft investieren die Gebrüder Weber in die Gebäulichkeiten und in die Betriebseinrichtungen. Der Wechsel von einer mechanischen Weberei zu einer Baumwollzwirnerei wird vollzogen. Zur gleichen Zeit kommt die Fabrik in den alleinigen Besitz von Albert Weber und bleibt es für die folgenden 40 Jahre.[1]
1870 Zur Überbrückung mangelnder Wasserkraft in Trockenperioden schafft Albert Weber eine Dampfmaschine an. [1]
1886 Das Geschäft floriert und seinem Antrag zur Erweiterung des Moosweihers wird stattgegeben. Dieser wird auf rund 6500 Kubikmeter ausgebaut.[1]
1908 Beim Verkauf der Fabrik an Fritz Schmid finden 15 Arbeitskräfte ihr Auskommen in der Zwirnerei. Jährlich werden 24 Tonnen Garn, zur Hälfte gebleichtes Stickgarn, produziert.[1]
1930 Fritz Schmid jun., übernimmt als ältester Sohn nach dem Unfalltod seines Vaters die Fabrik. Vor dem zweiten Weltkrieg profitiert die Zwirnerei Schmid von der guten Konjukturlage der Textilindustrie. Etwa 30 Arbeitskräfte zählt die Fabrik im Stampf in dieser Zeit. [1]Für den Weitertransport mit der Eisenbahn werden die Zwirnereierzeugnisse mit dem Ochsenkarren vom Stampf in Wernetshausen zum Bahnhof Hinwil gebracht.[2]
197 Mit der Stilllegung der Zwirnerei gibt es für die Wasserkraft keine Verwendung mehr.[1]
1982 Die Schwester von Fritz Schmid jun., Fräulein Luise Schmid, vermacht testamentarisch die Liegenschaft Stampf samt Umschwung an die Schweizerische Gesellschaft für Biologischen Landbau. Dazu gehören eine Scheune, ein Schöpfli und die baufällige sogenannte Baracke, das Bürohüsli. Dieses wurde nach dem zweiten Weltkrieg im Chaletstil erbaut. Am 1. und 2. Oktober findet ein Flohmarkt statt. Der gesamte Hausrat sowie Werkstattgegenstände aus der ehemaligen Zwirnerei stehen zum Verkauf.[3] Etwas später wird eine Stiftung eingesetzt, welche sich um die Liegenschaft und den Landwirtschaftsbetrieb kümmert. [2]
1985 Während 4 Jahren bewirtschaftet die Familie Bolzhauser den Landwirtschaftsbetrieb.[2]
1989 Die Stiftung verpachtet den Stampf an Margrit und Rick Bither. Der Landwirtschaftsbetrieb ist eigentlich für einen Familienbetrieb zu klein. Mit sechs Kühen, zwei Sauen, einigen Schafen und Hühner sowie Obstbäumen und dem Gemüsegarten kommt die Familie über die Runden.[2]
1991 Es erfolgt die Abtretung des Moosweihers an ein Naturschutzprojekt von überkommunaler Bedeutung des Kantons.[1]
2003 Die Stiftung wird aufgelöst und der Stampf wird für den Ertragswert an Margrit und Rick Bither verkauft. [2]
2012 Nach weiteren Umbauten der Zwirnereiräumlichkeiten bewohnt die Familie Bither mit Kindern und Enkelkindern den Stampf.[2]
2020 Nachdem das Bürohüsli 23 Jahre an eine Frau vermietet worden ist, zieht Margrit Bither mit ihrer Kleiderei, welche sie bereits erfolgreich einige Jahre in Wernetshausen betreibt, ins Bürohüsli ein.[2]
2025 Die Kleiderei wird aufgegeben. Seit der Coronapandemie im Jahre 2020 kann die engagierte Näherin keine Stoffe ihrer Wahl mehr beziehen.[2]
Siehe auch
- Medium F3 1 56 Schweizerische Gesellschaft für Biologischen Landbau Stampf Wernetshausen
- Medium F3 1 67 Schweizerische Gesellschaft für Biologischen Landbau Stampf Wernetshausen
- Stampfweg 5
- Aeppli, Gottlieb_(1887–1962) geboren im Stampf
Fotos
Bilder zu «Zwirnerei Stampf, Wernetshausen»:
-
Stampf mit Bauerngarten, 2006
-
Stampfweg 5, 2024
-
Stampf, Fachterei und Spuhlerei
-
Stampf, Ochsengespann
-
Stampf, Wohn- und Fabrikgebäude
-
Stampf, mit Scheunen und Bürohüsli
Unterlagen im Archiv Ortsgeschichte
- Dokumentenarchiv: Dossier Zwirnerei Stampf Wernetshausen,
- Dokumentenarchiv: Dossier zur Familie Schmid Stampf Wernetshausen, (F5)
Karte
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 Broschüre, Im Stampf, Sack und Sägetobel. Herausgegeben von W. Schefer-Gujer Dezember 2009.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Mündliche Informationen von Margrit Bither, Januar 2026.
- ↑ Dokument von Katharina Züst, in den Unterlagen zum Stampf vorhanden im Archiv Ortsgeschichte.