Pilgerweg 26
Das Gebäude am Pilgerweg 26 ist der östliche Teil eines gut erhaltenen Doppelhauses von 1802 (westlicher Teil siehe Pilgerweg 28). Es nimmt stilistisch eine Zwischenstellung ein zwischen früheren Doppelhäusern mit Reihenfenstern (Bossikergässli 4/6) und den späteren Bauten mit regelmässigen, in Achsen angeordneten Einzelfenstern (Steinbruchstrasse 4/6, Erlosen). Dank einer Inschrift sind Baudatum und Bauherr bekannt. Das Gebäude bildet den südlichen Dorfeingang von Bossikon.[1]
Allgemein
Kurzbeschreibung
Gut erhaltenes Doppel-Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert am südlichen Dorfeingang.[1]
Objektdaten
- Objektnummer (HinwilPedia)
- 2153
- Gebäudeversicherungsnummer GVZ (Assekuranznummer)
- 721
- Grundstücksnummer / Parzellennummer
- 7729
- Nutzung der Liegenschaft
- Gebäude: Wohngebäude
- Quelle GISZH
- Stand: 2. Mai 2018
Chronologie
1802 Das Haus wird gemäss Inschrift von Heinrich Knecht erstellt. Es bleibt in der Folge über hundert Jahre im Familienbesitz. Die Inschrift auf der Wandpfette Südost lautet: «Dieses Haus hat laßen Bauen Baupfleger Heinrich Knecht und Frau Margaretha Homberger zu Bossikon. ward aufgestellt durch Baumeister Marx Bachmann im Boden den 24 Tag May 1802 Zu der Zeit galt der Müth Kernen in Zürich 9 Gulden 4 Schilling. Der Eymer Wein 12 Gulden. Gottes Gnad und seine Macht, Schütz das Haus bey Tag und Nacht, Alles guts nach Seel und Leib In demselben all zeit bleib.»[1]
1852 Das Haus wird geteilt.[1]
1904 gelangt der Hausteil Ost an Dominik Appert.[1] Die Witwe Elise Knecht geborenen Jucker verkauft am 27. April das Wohnhaus (Hausteil Ost) mit 63 Ackerland im Glatzenacher für Fr. 4000.- an Franz Dominik Appert (geboren 1881) und dessen Ehefrau Katharina Appert–Kryenbühl. Auf der Nordseite des Hauses werden Holzlauben angebracht. Auf der einen Seite der Lauben werden im Erdgeschoss und im 1. Stock je ein Plumpsklo eingebaut. Wegen der markant grossen und geschützten Linde nordseits, wird das Haus auch Lindenhof genannt. In früheren Zeiten dient es als Herberge für Pilger, die unterwegs nach Einsiedeln sind. [2]
1906 Am 8. August steht im Protokoll des Audienzrichteramtes Hinwil sinngemäss: «Albert Appert im (Hausteil West) gestattet Franz Dominik Appert (Hausteil Ost) vom Sodbrunnen unterhalb des Hauses von Albert Appert eine eiserne Röhre in den Fuss-und Fahrweg der hinter dem Haus vorbeiführt zu legen. Bei Störungen ist Franz Dominik Appert verpflichtet, die zu deren Hebung erforderlichen Arbeiten möglichst rasch vorzunehmen. Er zahlt Albert Appert für das eingeräumte Recht eine einmalige Entschädigung von 50 Franken.» [3]
1912 Albert Appert wohnhaft (Hausteil West) Pilgerweg 28 klagt gegen Josef Appert. Das Statthalteramt verfügt: «Dieser soll am Abend des 9. Dezembers von der Laube seines Bruders Franz Dominik Appert Hausteil Ost (Pilgerweg 26) auf den Kläger geschossen haben, als dieser vom Stall in sein Haus gehen wollte. Die Untersuchung hat ergeben, dass nicht Josef Appert sondern sein Bruder Franz Dominik Appert den Gewehrschuss abgegeben hat. Dagegen liegt unbedingt im Verhalten des Franz Dominik Appert eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit gröbster Art vor. Es ist mehrfach bewiesen, dass Franz Dominik Appert seinen Schuss in nächster Nähe von Albert Appert gegen den Boden und nicht wie er behauptet in die Linde hinaus abgegeben hat. Der benannte Schütze wird mit 30 Franken inklusive Staatsgebühr von zwei Franken gebüsst.» [4]
1917 kann Dominik Appert auch den westlichen Hausteil (Pilgerweg 28) erwerben. Das Haus bleibt danach lange im Besitz der Familie Appert.[1] Die etwas vermögende Katharina Appert–Kryenbühl, die Ehefrau von Franz Dominik Appert, kauft mit ihrem Geld den Hausteil West mit Schopfanbau für Fr. 6300.-. Pilgerweg 28 von der Familie Frommherz. In der Eigentumserwerbsurkunde ist allerdings Franz Dominik Appert aufgeführt. [5]
1931 Franz Joseph, Appert genannt Sepp, (geboren 1906), der ältere Sohn von Franz Dominik Appert und Katharina Appert–Kryenbühl, übernimmt nach seiner Heirat mit Rosa Hess den Hausteil Ost. [2]
1944 Während des 2. Weltkrieges beherbergt die Familie in ihrem Haus gegenüber, am Pilgerweg 13 im 1. Stock, eine jüdische Kleinfamilie. Rosa Appert–Hess verpflegt sie mit Essen. Davon darf niemand etwas erfahren. Die Familie verschwindet mit unbekanntem Ziel.[2]
1950 Im Stübli der Eltern von Sepp Appert wird ein Badezimmer eingebaut.[2]
1986 Elsi Egli geborenen Appert, die einzige Tochter von Sepp und Rosa Appert–Hess, übernimmt das Haus.[2]
2007 Am 25. Juni kaufen Sonja und Philipp Ammann den Hausteil Pilgerweg 26 von Elsi Egli–Appert.[2]
2008 erfolgt der Neubau von zwei Kaminen sowie der Bau einer Aussentreppe in den Garten.[1]
2009 Bau eines Carports.[1]
2020 Fassadenrenovation.[1]
Fotos / Dateien
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Pilgerweg 26 und 28, 1915
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Pilgerweg 26 und 28, 2026
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Pilgerweg 26 und 28, Wandpfette, 2026
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Pilgerweg 26 (mit Laube), 2026
Kartenausschnitt
- Externe Kartenausschnitte
Bemerkungen / Hinweise
Kommunales Inventar schützenswerter Objekte, Hinwil, Inventar-Nr. B081
Kant. Inventar der Landschaftsschutzobjekte, Objekt-Nr. 1075
IVS-Objekt ZH 39.3 (regional)
Weblinks
- Kommunales Inventar schützenswerter Objekte, Hinwil, abgerufen am 2. August 2025
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Kommunales Inventar schützenswerter Objekte der Gemeinde Hinwil, 25. Mai 2022
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Informationen von Elsi Egli, Enkelin von Franz Dominik Appert und Katharina Appert–Kryenbühl, 26. Mai 2026
- ↑ Auszug aus dem Protokoll des Audienzrichteramtes Hinwil, 8. August 1906, Kopie von Original im Dossier Pilgerweg 26 und 28, Archiv Ortsgeschichte
- ↑ Verfügung Statthalteramt Hinwil, 19. Dezember 1912, Kopie von Original im Dossier Pilgerweg 26 und 28, Archiv Ortsgeschichte
- ↑ Eigentumsübertragung, Kaufvertrag, 13. Juli 1917, Kopie von Original im Dossier Pilgerweg 26 und 28, Archiv Ortsgeschichte
Schlagworte
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Doppelhaus • Inschrift • Pilgerweg • Hinwil • Bossikon