Landfrauenvereinigung Bezirk Hinwil 1938–1984

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Chronologie

Inserat 14. Dezember 1938 (siehe Hinweis unten)

1938 «Am 6. August treffen sich acht Frauen aus dem Bezirk Hinwil bei Hanna Schneider in Seegräben und beschliessen, eine Bezirks-Frauenkommission zu gründen mit dem Ziel, die Landfrauen in jener schweren Krisenzeit zusammenzuschliessen, moralisch zu unterstützen und Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Maul- und Klauenseuche verhindert zwar im ersten Jahr jegliche Aktivität.» [1]

1940 Am 13. März 1940 wird zur ersten Versammlung in die Gemeindestube Wetzikon eingeladen zu einem Vortrag unter dem Titel Aufgeschaut und Gott vertraut. [1]

Das erste Protokollbuch

Das erste Protokollbuch zeigt auf, womit sich die Landfrauen damals befassten:

Protokollauszug vom 3. Dezember 1962
  • Bäuerinnenversammlungen: Sie starteten oft mit einem Vortrag eines Pfarrers/einer Pfarrerin zu verschiedenen Lebensthemen wie Eheleben, Kindererziehung, Stärkung der Frau im Allgemeinen. Die Anlässe waren häufig umrahmt von Chören. Über viele Jahre hinweg überbrachte Kantonsrat Stutz aus Bäretswil jeweils Grüsse der landwirtschaftlichen Bezirkskommission.
  • Auch Lichtbildervorträge standen auf dem Programm.
  • Kurse in den Gemeinden zu Themen wie Backen, Flicken ...
  • Die Ausbildung zur Bäuerin war immer wieder ein Thema, die Förderung der Lehrtöchter, Einführungskurse im Schloss Uster, Lehrmeisterinnenkurse.
  • Politik: Informationen zum Frauenstimmrecht (erstmals 1945), Ermunterung zur Aktivität in politischen Ämtern
  • Wohltätigkeit: Unterstützung für den Wagerenhof, Geschenkpakete für Gefangene im Bezirksgefängnis, später Marktstände für die Ländliche Familienhilfe.
  • Arbeit an Strukturen: Vorstandsarbeit und ihre Aufteilung, Zusammenarbeit mit dem Kantonalverband. [2]
  • Zwischen 1957 und 1973 führt Friedy Müdespacher-Honegger das Protokoll der Vereinigung. Ihre Aufzeichnungen sind in einer hervorragend lesbaren Handschrift gehalten und in ihrer ausgeschmückten Aufsatzform oft erheiternd zu lesen. Es ergibt sich ein Einblick in die Pionierarbeit dieser Bäuerinnen. [3]

1956 Im Februar beschliesst die Bäuerinnenvereinigung einen Jahresbeitrag in der Höhe von einem Franken. [1]

1963 Die Kommission feiert ihr 25-jähriges Jubiläum und windet ihrer Präsidentin ein Kränzchen (siehe Protokollauszug vom 3. Dezember 1962). [2]

1964 Nun bezahlen bereits 284 Frauen einen Jahresbeitrag von vier Franken. Davon gehen drei Franken an den kantonalen Verband. [1] Der kantonale Verband ist am 14. Januar 1964 gegründet worden und heisst Zürcher Landfrauen-Vereinigung. Bei der Gründung wird ein Margrit Messmer-Fonds erwähnt für «Bäuerinnenhilfe im weitesten Sinne», welcher kürzlich eröffnet worden ist. [4]

1973 Nach 35 Jahren als Präsidentin übergibt Hanna Schneider ihr Amt an Vreni Hug-Hotz. [1]

Die Ländliche Familienhilfe und die Märkte im Ritterhaus

1973 Auf kantonaler Ebene entsteht die Ländliche Familienhilfe. [1] Es ist eine Selbsthilfe-Organisation: Fehlt auf einem Bauernbetrieb eine Frau, springt eine Familienhilfe für eine bestimmte Zeit ein.

1974 Züs Keller, Pfarrerin aus Wetzikon, ist Mutter von sieben Kindern. An der Bezirksversammlung er Landfrauen vom 4. Februar im Hirschen Hinwil hält sie ein Referat zum Thema Wir Mütter zwischen Angst und Vertrauen. Sie ruft zu Gelassenheit auf und rät, den Kindern zuzuhören. Die 4.–6. Klasse von Max Pfenninger aus Wernetshausen singt vor dem Zvieri mit den Landfrauen altbekannte Lieder. [5]

1974 Bis zu diesem Jahr unterstanden die Landfrauen der landwirtschaftlichen Bezirkskommission respektive dem landwirtschaftlichen Bezirksverein, der auch finanziell für die Anlässe aufkam. Dafür lagen auch die meisten Entscheide schliesslich bei den Männern! [6]

1975 An der Vorstandssitzung vom 8. August wird ein Herbstmarkt im Ritterhaus Bubikon besprochen. [2] Der Markt am 4./5. Oktober ist gut besucht und erhält ein begeistertes Echo in der Presse: «Die Landfrauen des Bezirkes dürfen sich über diese erste derartige Veranstaltung freuen; es ist ihnen zu ihrem Unternehmungsgeist nur zu gratulieren.» [7] An der Vorstandssitzung vom 17. Oktober stellt man fest, dass die Erwartungen bezüglich Einnahmen bei weitem übertroffen wurden. Es resultiert ein Erlös von rund 20'000 Franken. [8]

Ab 1975 organisieren die Landfrauen des Bezirks Hinwil im Abstand von drei Jahren einen Herbstmarkt. Der jeweilige Reinerlös wird zur Finanzierung der Ländlichen Familienhilfe und für weitere soziale Institutionen verwendet. [1]

1976 Die Bezirkstagung wird am 15. Januar in der Blume, Fischenthal durchgeführt und eine Woche später im Hirschen Hinwil wiederholt «für die Frauen aus dem unteren Teil des Bezirks». Frau Erb, Vermittlerin der Ländlichen Familienhilfe, berichtet aus ihrer Tätigkeit: «Mit nur einer gut ausgebildeten Tochter, welche im ganzen Kanton eingesetzt werden musste, machte man den Anfang; heute sind zehn Töchter im Einsatz. Oft verlassen diese abends eine Familie, um am nächsten Morgen bereits wieder einen neuen Wirkungskreis anzutreten. So konnte seit der Gründung der Ländlichen Familienhilfe bereits in 289 Fällen vorübergehend die Hausfrau und Mutter vertreten werden; bei Spital- und Kuraufenthalten, Krankheit und Wochenbett.» [9] «Einmal erkundigte sich ein Mann nach dem Alter der vorgesehenen Aushilfe, mit der Begründung, er habe nun schon genug ältere Frauen gehabt, er wolle einmal eine junge!» [9]

1976 Zwischen 20 und 40 Bäuerinnen turnen im Winterhalbjahr zu bestimmten Zeiten in Wald. Das Protokoll vom 8. April vermerkt dazu: «So kommt die Bäuerin zu einem freien Nachmittag ganz zu Gunsten ihrer körperlichen, aber auch seelischen Entspannung.» [8]

1976 Aus dem Kursangebot: Überkleider flicken, Hefegebäck, Kochdemonstration von Hedi Müdespacher: Geflügel und Backofengerichte. [8]

1976 Im November wird die Entschädigung des Vorstands angepasst: Präsidentin und Kassierin erhalten je 50 Franken, Aktuarin und Protokollführerin je 20 Franken – pro Jahr. [8]

1979 Im August tritt die Landfrauenvereinigung des Bezirks Hinwil als Kollektivmitglied der Schweizerischen Volkspartei (SVP) bei. [8]

1980 Die Pfarrämter der Region sollen angefragt werden, ob sie eine Kollekte für die Ländliche Familienhilfe organisieren wollen. [8]

1981 140 Personen nehmen an der Vereinsreise nach Solothurn teil. [8]

1982 Die Bezirkstagung findet im Hirschen Hinwil statt. Die Bewo spielt «flotte Musik». Im Jahr zuvor haben 20 Frauen im Rahmen der Ländlichen Familienhilfe 3000 Einsatztage geleistet. Willi Peter referiert über sein Programm des guten Willens. Der Zeitungsbericht vom 24. März notiert einige Gedanken aus dem Referat, darunter etwa: «Intelligenz allein nützt nicht viel, gute Gesinnung ist ebenso wichtig. Die Jungen brauchen einen Kompass, der ihnen auch dann noch den Weg weist, wenn sie ausgeflogen und auf sich selbst gestellt sind. Fernsehen kann viele Anregungen bringen, wenn es nachher im Gespräch weiter verfolgt wird. Die Frau ist nicht nur Arbeitskraft, sondern in erster Linie Lebenspartnerin. Dass ein junges Bauern-Ehepaar eine eigene Wohnung braucht, sollte heute eigentlich selbstverständlich sein. Ein sehr wichtiger Punkt sind die Finanzen. Eine gute Lösung bietet die Lohngutschrift an.» [10]

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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Ohne Autorenangabe (1988): Jubiläum der Landfrauenvereinigung des Bezirks Hinwil. Artikel in der Zeitung Zürcher Bauer, Ausgabe vom Freitag, 22. April 1988.
  2. 2,0 2,1 2,2 Protokollbuch der Bäuerinnen Vereinigung Bez. Hinwil mit handschriftlichen Einträgen von1938 bis 1975.
  3. Hug, Christine (2026): Notizen zum Protokollbuch 1938–1975 der Bäuerinnen Vereinigung Bez. Hinwil.
  4. Protokoll der Gründungsversammlung der Zürcher Landfrauen-Vereinigung. 7 Seiten A4 verfasst von A. Böll-Bächi.
  5. Autorenangabe «mü» (1974): Gelassen und mit Vertrauen den Zeitanforderungen begegnen. Artikel in der Regionalzeitung Zürcher Oberländer vom 7. Februar 1974.
  6. Autorenangabe «E.S.» (1988): Landfrauenvereinigung feierte 50. Geburtstag. Artikel in der Regionalzeitung Zürcher Oberländer vom 20. April 1988.
  7. Autorenangabe «mbb.» (1975): Es war einem richtig heimelig zumute ums Ritterhaus. Artikel in der Regionalzeitung Zürcher Oberländer vom Oktober 1975.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 8,6 Protokollbuch der Landfrauenvereinigung des Bezirks Hinwil mit handschriftlichen Einträgen vom 9. September 1975 bis 15. Oktober 1987.
  9. 9,0 9,1 Autorenangabe «mü» (1976): Ländliche Familienhilfe kaum mehr wegzudenken. Artikel in der Regionalzeitung Zürcher Oberländer vom 20.1.1976.
  10. Ohne Autorenangabe (1982): in Hinwil gab sich das Landvolk frohes Stelldichein. Artikel in der Regionalzeitung Zürcher Oberländer vom 24. März 1982.
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