Die Ruine Bernegg

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Die Burg Bernegg bestand bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Ihre Grundmauern wurden ab 1923 ausgegraben und Teile davon 1935 und 1939 wieder aufgemauert und teils frei konstruiert.


Chronologie

1283 Die Ritter von Bernegg verkaufen ihre Burg dem Ritterhaus Bubikon und verpflichten sich, das Gebäude innert drei Wochen abzubrechen. «Die Burg wurde so gründlich niedergelegt, dass sie dem Erdboden eben ward», schreibt Lehrer Glättli 1935 und fährt fort: «Jahrhunderte gingen drüber weg, und der Schutt wurde vollständig überwuchert, so dass man die Burg Bernegg nur vom Hörensagen her kannte.»[1]

1924/25: Erste Grabungen

1924/25 Im Winter tun sich einige «Freunde der Heimat» zusammen, um die letzen Reste des Gemäuers ausfindig zu machen. «Bei Sturm und Schneegestöber wurde der Pickel geschwungen und der Eifer wurde belohnt», berichtet Lehrer Glättli.[1] Die freigelegten Grundmauern messen 12 auf 8 Meter und weisen eine Dicke von 80 Zentimeter auf. An Fundstücken tauchen unter anderem Schlüssel, Hufeisen und eine Axt auf. Man ist leicht enttäuscht, als «von kompetenter Seite dem <kleineren Bürglein> kein grosser Wert beigelegt wurde.»[1]

1926 Am 14. Februar besucht eine dreiköpfige Delegation von Historikern aus Zürich die Burgstelle. Es handelt sich um Professor Hans Leemann (1861–1946), Direktor des Schweizerischen Landesmuseums; Professor Friedrich Hegi (1878–1930), Historiker an der Uni Zürich und Dr. Emil Stauber (1869–1952), Historiker aus Wollishofen. Zusammen mit Freiwilligen, die an der Grabung beteiligt waren, posieren sie für ein Gruppenbild.

Im Fotoalbum von Henri Feurer-Bodmer sind die Personen auf der Foto mit ihren Namen verzeichnet.

Vordere Reihe von links nach rechts: Dr. E. Stauber; Gemeindepräsident Hess; Prof. Fr. Hegi; Direktor Hans Lehmann; Dekan Baer, reformierter Pfarrer in Hinwil; Obermeister Arnold Schlegel.

Hintere Reihe von links nach rechts: alt Lokomotivführer Egli; Alfred Hürlimann; Lehrer Lorenz Kaspar; Ernst Knecht, Bernegg, Besitzer des Hügels; Brunner, Schaugen; Jul. Zollinger; Albert Rüfenacht, Girenbad; Albert Meier, Hinwil; Lehrer Schaufelberger, Wernetshausen; Edmund Kunz, Girenbad; Alfred Brunner, Loch; Jean Graf; Alfred Hürlimann; unbekannt [2]

Die inzwischen gegründete Antiquarische Gesellschaft Hinwil hätte die Ruine gerne weiter erforscht, doch es fehlt das Geld dafür.[1]

1935: Unterstützung durch den Freiwilligen Arbeitsdienst

1935 Während der Wirtschaftskrise richtet der Freiwillige Arbeitsdienst in der ehemaligen Weberei Girenbad ein Arbeitslager für erwerbslose junge Männer ein. Die Antiquarische Gesellschaft stellt ein Gesuch und der Einsatz der jungen Leute wird bewilligt.[1] Anfangs August beginnen die Grabarbeiten. Unter der Leitung von Techniker Ernst Frei sind sechs bis neun Jugendliche aus dem Lager beteiligt.[3] Neben den eigentlichen Grabarbeiten werden auch Bäume gefällt und Wurzelstöcke gesprengt. Fachliche Beratung erfolgt durch Eugen Probst, Präsident des Schweizerischen Bugenvereins.[4] Es zeigt sich, dass die Mauern nach unten immer massiver werden, schliesslich zeigen sie eine Dicke von zwei bis drei Metern. «Man begann zu ahnen, dass das <Bürglein> doch etwas Besseres gewesen sein musste.»[1]

Als Fundstücke verzeichnet Lehrer Glättli unter anderem Reitersporen, Pfeilspitzen, Messer, Schlüssel und eine Gürtelschnalle. Als Grund für die geringe Anzahl gefundener Gegenstände vermutet er: «Da die Burg abgebrochen wurde, hatte man die damals raren Stücke aus Eisen und anderes [vorher] entfernt.»[1]

Am 11. September kann mit dem Aufmauern begonnen werden. Am 11. Oktober ist der Kredit für die Restauration aufgebraucht. [1]

Im Schlussbericht von Techniker Ernst Frei heisst es unter anderem: « ... fanden wir bis ein Kubikmeter grosse kugelige Nagelfluh-Findlinge, welche mit viel Stöhnen wieder vermauert wurden. [...] In der vorgesehenen Zeit und mit den budgetierten Kosten war es nicht möglich, alle Grabungen aus- und das entsprechende Mauerwerk aufzuführen, da die Arbeit sich als weitläufiger herausstellte, als angenommen wurde und vorausgesehen werden konnte. [...] Herr Probst und Herr Feurer drückten ihre volle Zufriedenheit über die Menge und die Ausführung der Arbeiten aus. Es besteht die Hoffnung, dass nächstes Jahr für die Weiterführung der Arbeiten aus einer schweizerischen Lotterie 30’000 Franken zur Verfügung stehen werden. [...] Die Einstellung der Teilnehmer zur Arbeit war nicht immer erfreulich. [...] Denn hier feuert, im Unterschied zum Privatbetrieb, keine Lohnerhöhung und kein Akkordlohn an, hier droht keine Entlassung wegen mangelhafter Leistung. [...] Die anwohnenden Bauern zeigten viel Interesse für die Ausgrabung. [...] Die Mitglieder der Antiquarischen Gesellschaft verfolgten von Sonntag zu Sonntag den Gang der Arbeit. Herr Feurer und Herr Glättli liessen es sich nicht nehmen, die Arbeiten zwei- bis dreimal in der Woche zu besichtigen. [...] Wie aus Obigem zu ersehen, ist das Lager Bernegg im gesamten wie im einzelnen gelungen. Es sei hier den zahlreichen Amts- und Privatpersonen für ihre erfolgreichen Bemühungen [...] bestens gedankt im Namen der jugendlichen Erwerbslosen, welche dadurch für einige Zeit Arbeit und Heimat gefunden haben.»[4]

1939: Rekonstruktionen und Zugangsweg

1939 Von Juli bis Oktober finden weitere Restaurierungsarbeiten statt. Ein Fussweg zur Ruine wird erstellt.[5] Die Lotteriegesellschaft Arba hatte dies zur Bedingung für einen Unterstützungsbeitrag gemacht. Ausgeführt werden die Arbeiten durch das Baugeschäft Kunz.[3] Baumaterial und Wasser werden per Seilbahn von der ehemaligen Weberei Girenbad aus 150 Meter über das Tobel zur Ruine geführt.[6] Als Fachberater amtet wieder Eugen Probst, Präsident des Schweizerischen Burgenvereins. Nach seiner Zeichnung erfolgt die Rekonstruktion des Torbogens, die am 23. August vollendet wird. Zwei Tage später sorgt die Hochwasserkatastrophe vom 25. August 1939 für einen Unterbruch der Arbeiten. Kurz darauf folgen die beteiligten Arbeiter der Mobilmachung der Schweizer Armee.[3]

2003: Zivilschutz-Einsatz

2002 Am 25. Oktober begutachten Vertretungen der Gesellschaft Ortsmuseum Hinwil und der Kantonsarchäologie Zürich mit dem aktuellen Grundeigentümer die Bauschäden an der Ruine Bernegg.[7]

2003 Im August/September werden die Schäden durch Angehörige des Zivilschutzes behoben. Roland Gyger, Vorstandsmitglied der Gesellschaft Ortsmuseum Hinwi, dokumentiert die Arbeiten mit Fotos:

Siehe auch

Unterlagen im Archiv Ortsgeschichte

  • Dokumentenarchiv: Geschichte: Dossier Bernegg Ruine Doku
  • Dokumentenarchiv: Geschichte: Dossier Bernegg Ritter Burg
  • Dokumentenarchiv: Geschichte: Dossier Bernegg 1934–1938
  • Dokumentenarchiv: Geschichte: Dossier Bernegg Ruine Fotos

Fotos

Bilder zu «Die Ruine Bernegg»:

Literatur

  • Keller, Hans (1931): Die Burg Bernegg und ihr Geschlecht. Illustrierter Artikel im vierten Jahrheft der Antiquarischen Gesellschaft Hinwil von 191. Seiten 1 bis 10.
  • Glättli, Werner (1935): Die Ruine Bernegg. Artikel im achten Jahrheft der Antiquarischen Gesellschaft Hinwil, 1935. Seiten 20 bis 23.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Glättli, Werner (1935): Die Ruine Bernegg. Artikel im achten Jahrheft der Antiquarischen Gesellschaft Hinwil, 1935. Seiten 20 bis 23.
  2. Feurer-Bodmer, Henri: (ohne Jahresangabe): Der lieben Gemeinde gewidmet. Kommentiertes Fotoalbum von Henri Feurer-Bodmer (1880–1961). Archiv Ortsgeschichte Hinwil.
  3. 3,0 3,1 3,2 Feurer, Henri (1939): Bericht über die Ausgrabung und Conservirung der Burgruine Bernegg. 4 Seiten Schreibmaschine, handschriftlich datiert 1939 und versehen mit einem Stempel CONFED. HELVET. MONUM. HISTOR. 44767. Archiv Ortsgeschichte Hinwil.
  4. 4,0 4,1 Frei, Ernst (undatiert): Bericht über das Freiwillige Arbeitslager Bernegg, Gyrenbad/Hinwil, vom 1. August – 14. Oktober 1935. 3 Seiten Schreibmaschine mit 2 Anhängen. Archiv Ortsgeschichte Hinwil.
  5. Vermerk im Zwölften Jahrheft der Antiquarischen Gesellschaft Hinwil 1939 unter Weitere Begebenheiten.
  6. Feurer-Bodmer, Henri (1939): Chronik der Gemeinde Hinwil 1939.
  7. Kurzbericht von Christoph Renold, Kantonsarchäologie Zürich, vom 29. Oktober 2002. 4 Seiten A4 mit Fotos. Archiv Ortsgeschichte Hinwil.
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