Seidenweberei Hotz

Die Seidenweberei Hotz, auch Henri Hotz mech. Seidenweberei, wurde 1891 von Henri Hotz gegründet. In den Gebäuden an der Bachtelstrasse 16 wurden exklusive Seidenstoffe hergestellt: Jacquard-Stoffe, Seidencrèpe und weitere Spezialitäten. Neben der Weberei in Hinwil gründete oder kaufte Henri Hotz weitere Webereien und Stickereien.
Vorgeschichte
1880 Henri Hotz, Sohn von Heinrich Hotz, erlernt in Arbon die Hand-Maschinenstickerei und richtet in elterlichen Wohnhaus Frohwies eine Stickmaschine ein.[1]
1885 Heinrich Hotz baut das Haus Zum Sonnengarten. Sein Sohn Henri Hotz kehrt aus Frankreich zurück, wo er Textilindustrie gelernt hat. Er gründet die Stickerei zum Sonnengarten und richtet im Haus 4 Handstickmaschinen ein. Daneben beschäftigt er 40-50 Handsticker und betreibt eine Ferggerei (Mittelsleute zwischen den Zürcher Handelsherren und den Heimarbeitern auf der Landschaft).[1]
Chronologie
1891 Henri Hotz installiert in der Winde seines Wohnhauses einen Jacquard-Webstuhl und gründet die Seidenweberei Hotz. Einen Winter lang nimmt er jeweils am Sonntagmorgen an einem Webschulkurs in Rüti teil.[2]
1892 Bau des ersten Gebäudes an der Bachtelstrasse 16 mit 16 Hand-Jacquard-Webstühlen.[1]
1893/94 Mechanisierung der Webstühle.[1]
1898 Henri Hotz kauft eine Liegenschaft im Sack bei Wernetshausen und richtet darin eine Seidenwinderei und Zettlerei ein. Ab 1919 produzierten in diesem Gebäude die Gebr. Honegger Webschützen.[1]
1905 Anbau der Weberei, Ausbau auf 40 Webstühle.[3]
1916 Der letzte Anbau wird errichtet.[1]
1923 Henri Hotz gründet für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wohlfahrtsstiftungen zur Alters-, Hinterbliebenen-, Invaliden- und Wöchnerinnenvorsorge. Er organisiert auch Kinderbetreuung, günstigen Wohnraum im Gstalden und im Letten, Bibliotheken und Lesesäle. Es geht ihm dabei nicht nur um christliche Nächstenliebe: gut umsorgte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motiviert, mehr zu leisten.[4]
Neben der Fabrik in Hinwil baut oder kauft Henri Hotz weitere Fabriken in Erlosen, Amden, Lustenau (A) und Bohlingen bei Radolfzell (D). Neben Seide werden auch Baumwolle und verschiedene Kunstfasern wie Viscose, Bemberg und Zellwolle verarbeitet, zum Teil auch gefärbt.((Quelle: Top Nr. 251, 25.11.2015)) Eine Spezialität sind seidene Krawattenstoffe und Stoffe für Herrentaschentücher. [3]
1937 Henri Hotz stirb, sein Sohn übernimmt den Betrieb.[4]
1941 Am 1. Juli wird der Hinwiler Betrieb der Seidenweberei Hotz an die Mettler & Co. AG aus St. Gallen verkauft. Die gesamte Belegschaft wird übernommen und am Sonntag, 20.7.1941 zu einem Ausflug nach St. Gallen eingeladen, um das neue Stammhaus, die Belegschaft in St. Gallen und den neuen Prinzipal, Herrn Mettler junior, kennenzulernen. [2] [5]
1961 Die Abt. Seidenweberei Hinwil der Mettler & Co. AG, später Tesseta AG, wird geschlossen und verkauft, die Webmaschinen werden demontiert und abtransportiert. Die letzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten aus dem Verkaufserlös eine Prämie.[6]
1968 Die Gebäude werden abgerissen. An dieser Stelle steht heute die Migros-Filiale Hinwil.[1]
Unterlagen im Archiv Ortsgeschichte
- Dokumentenarchiv: Dossiers Hotz Seidenweberei, Mettler Seidenweberei, Tesseta AG
Objekte
Im Schaulager des Ortsmuseums befinden sich Stoffmuster und Originalbilder aus der Seidenweberei Hotz.
Karte
Presse
Meili, Anna (2003): Wie ein gütiger Vater? Die Beziehung zwischen Arbeitern und Fabrikanten am Beispiel von zwei Hinwiler Betrieben um 1900. Heimatspiegel Nr. 6, Juni 2003. Illustrierte Beilage zum Zürcher Oberländer. Wetzikon. 8 Seiten (vorhanden im Archiv Ortsgeschichte)
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Lebenslauf von Henri Hotz, Chronik Bezirk Hinwil, 1944, abgelegt im Dossier Hotz Seidenweberei im Ortsarchiv Hinwil
- ↑ 2,0 2,1 Chronik Bezirk Hinwil, Zürich 1944, Seite 169, abgelegt im Dossier Hotz Seidenweberei im Ortsarchiv Hinwil
- ↑ 3,0 3,1 Publikation “Heimatspiegel” des Verlags Zürcher Oberländer, Autorin Anna Meili, Nr. 6/Juni 2003
- ↑ 4,0 4,1 Beitrag von Marina Lussi in Top Hinwil Nr. 251, 25.11.2015
- ↑ Tageszeitung der Freisinnige, 22.7.1941
- ↑ Interview von Marina Lussi mit Germana Tezzele, Top Hinwil Nr. 251, 25.11.2015