Weinbau in Hinwil


In Hinwil wird während Jahrhunderten an einzelnen geeigneten Südhängen Weinbau betrieben. Dieser Artikel stellt die Geschichte des Rebbaus in Hinwil dar und fokussiert aufgrund der Quellenlage auf die jüngere Vergangenheit.
Hinwiler Rebberge im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert geht mit einem Rebbauboom einher, der auch in Hinwil Einzug hielt.[1] 1870 beschreibt der Hinwiler Pfarrer und Historiker Arnold Näf diesen Aufschwung: «Neben dem Acker- und Wiesenbau ist in der neueren Zeit auch der W e i n b a u beträchtlich aufgekommen, als ein edler Bruder des O b s t b a u s, der welcher an unsern Berggeländen ebenfalls florirt und in fruchtbaren Jahren Aepfel und Birnen in erfreulicher Menge hervorbringt. [...] Seit 3–4 Jahren hat der Rebbau sich nahezu verdoppelt. Gegenwärtig findet man Weinberge an folgenden Stellen: Erlosen, Bossikon, Bustock, Atenbüel, im Berg, Weingarten, Benklen, Bader, Steinler, Mühle, ob dem Tobel, Pfarrhaus, Felsenhof, Forsterhölzli, Lochacker, Gstalden, Wüschetbüelen, Bezikon, Breitacker, Loch, Grimmetstahl, Bodenholz, Katzentobel, Affeltrangen, Rüti bei Ringw., Kellerloch, Gyrriet, Wernetsh., Ebnat.»[2]. Näf erwähnt 29 Standorte.
Die nebenstehende, leider anonyme und undatierte Karte zeigt das rasante Wachstum des Weinbaus im Zürcher Oberland zwischen 1850 und 1880. Hier sind 34 Rebberge für Hinwil verzeichnet.
Quellentext und Karte weisen Überschneidungen auf, die aber nicht immer offensichtlich sind. Festhalten kann man, dass in Hinwil im 19. Jahrhundert zweitweise über 40 Weinberge bestehen. Aufgeschlüsselt nach Dorf und Aussenwachten, stellt sich die Lage der Rebberge auf dem Gemeindegebiet von Hinwil zwischen 1870 und 1880 wie folgt dar:[3][4]
- Dorf (total 23 Rebberge): Attenbüel (2 Rebberge), Bader, Benklen, Berg, Bergweid (2 Rebberge), Bluestock (3 Rebberge), Burgbüel (2 Rebberge), Felsenhof, Grimmetstal, Gstalden, Hüssenbüel, Lochacker, Mühle, Pfarrhaus, Schopfhalde (2 Rebberge), Steinler (Gsteinler), Tobel
- Girenbad (1 Rebberg): Gyrriet
- Hadlikon (4 Rebberge): Bodenholz, Breitacher, Chatzentobel, Loch
- Ringwil (3 Rebberge): Ringwil, Chällerloch, Rüti, Schönwis
- Unterbach (1 Rebberg): Ebnet
- Unterholz (7 Rebberge): Affeltrangen, Bossikon, Forsterhölzli, Unter Erlosen (2 Rebberge), Wil, Zälg
- Wernetshausen (4 Rebberge): Balzenbüel, Betzikon, Breitenried, Wernetshausen
- Lage unklar (3 Rebberge): Bustock, Weingarten, Wüschetbüelen
Hinwiler Rebberge im 20. und 21. Jahrhundert
Im Allgemeinen geht der Weinbau im 20. Jahrhundert deutlich zurück und verschwindet im 21. jahrhundert gänzlich.
Rebberg Frauenfelder Rebhalde

1976 errichten Erich und Bernadette Frauenfelder, bis 1985 Inhaber des gleichnamigen Cafés in Wetzikon, an der Rebhaldenstrasse ein Einfamilienhaus und legen nebenberuflich einen Weinberg mit rund 200 Weinstöcken der Rebsorte Riesling x Sylvaner an. Diese bringt einen jährlichen Ertrag von circa 300 bis 350 Flaschen, der unter der Bezeichnung «Hinwiler» mit wechselnden Etiketten auch öffentlich vertrieben wird. 2002 kostet eine Flasche Hinwiler 14 Franken. Gekeltert wird der Wein in der renommierten Kelterei H. Schwarzenbach in Obermeilen am Zürichsee.[5][6] 2004 wird der Betrieb eingestellt, sodass vorübergehend in Hinwil keine Rebfläche mehr besteht.[7]
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Weinetikette Hinwiler Riesling x Sylvaner von 1990
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Weinetikette Hinwiler Riesling x Sylvaner, 2002
Rebberg Strohmeier Benklenstrasse
2004 legen Sven und Susanne Strohmeier rund um einen alten Bauernhof an der Benklenstrasse einen neuen Rebberg an. Hier gedeihen die Traubensorten Solaris (35 Stöcke, Ertrag: 30 bis 110 Flaschen Weisswein) und Léon Millot (116 Stöcke, Ertrag: 50 bis 280 Flaschen Rotwein). Hauptabnehmerin ist die Brunnen-Zunft Hinwil, deren Mitglieder auch bei der Ernte mithelfen, und Freunde der Familie. Öffentlich vertrieben wir der Wein nicht.[8][9]2023 ist der Rebberg nicht mehr existent.[10]
Strassennamen mit Weinbaubezug
Einige Strassennamen erinnern bis heute an die Blütezeit des Weinbaus in Hinwil:
Wihaldenstrasse, Wihaldenweg und Rebhaldenstrasse befinden sich an einem einst weinreichen Südhang im Wihalden-Quartier, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rund um den ehemaligen Bauernhof Weinhalde entsteht.[11]
Im Weiler Erlosen befindet sich die Rebrainstrasse.
Einzelnachweise
- ↑ Brühlmeier, Markus: Hinwil. Alltag, Wirtschaft und soziales Leben von 745 bis 1995. Wetzikon 1995, S. 177.
- ↑ Näf, Arnold: Geschichte der Kirchgemeinde Hinweil mit Hinweisungen auf die Umgebung. Zürich 1870, S. 216.
- ↑ Anonyme Karte, Archiv Ortsgeschichte Hinwil, Dossier Weinbau
- ↑ Näf, Arnold: Geschichte der Kirchgemeinde Hinweil mit Hinweisungen auf die Umgebung. Zürich 1870, S. 216.
- ↑ pv.: Wein will gepflegt und genossen werden. Rebberge im Oberland (4): die Rebhalde in Hinwil, in: Zürcher Oberländer, 26.10.1990.
- ↑ Müller, Johannes: Im Ruhestand zwischen Rebberg und Jagdrevier, in: TOP Hinwil 139, November 2003.
- ↑ Sieber, Peter: Zum Titelbild, in: TOP Hinwil 249, September 2015.
- ↑ Sieber, Peter: Zum Titelbild, in: TOP Hinwil 249, September 2015.
- ↑ Fabienne Würth: Rebbau nach Hinwil zurückgeholt, in: Regio, 22.10.2015.
- ↑ Autor vor Ort.
- ↑ Archiv Ortsgeschichte Hinwil, Dossier Wihaldenstrasse